Checkpoint SpielxPress

[Zugang zum Data-Repository]

Loggen Sie sich mit Ihren Zugangsdaten ein (Login) oder fordern Sie Zugangsdaten an (Register). Das Data-Repository ist für SpielxPress-Leser und soll in Zukunft weitere Daten und Artikel aus der Welt der Spiele beinhalten.


Login








Passwort vergessen?
[Funktion noch nicht verfügbar]

Noch kein Login?
      Kostenfrei registrieren!



[v6: 01.061 160]
SpielxPress - Welt der Spiele in einem Magazin. Folgen Sie uns auf den Spuren der Spiele aus aller Welt und unterhalten Sie sich - Spiele regen die Phantasie an und helfen zu entspannen.
 FB-Seite SxP  
 Twitter-Seite SxP  

SpielxPress-Test

[2016-02-01 11:39:59] #Id: 13577 | View: 28050

Leseprobe Eulenland


Prolog

Amirs nackte Füße fanden leichten Halt. Die Äste wuchsen zahlreich wie Treppenstufen, und die Kronen der uralten Bäume verwoben sich zu einem dichten Nest, das Schutz und Ausblick bot. Tief unter ihm umrauschten sanfte Brandungswellen die schwarzen Klippen der Insel. Die Gipfel des Ewigen Walds, der die Bucht sichelförmig umschloss, wogten sanft im Wind. Er jubilierte. Einen besseren Ort hätte er nicht finden können. Jetzt konnte es endlich losgehen! Hier würde er Hütten und Baumhäuser bauen und dann würde er sich Kinder einladen. Gut ausgewählte Kinder! Und mit ein bisschen Glück würden die Schattenalpe sie am Leben lassen.


1

»Ich hab mich erinnert«, sagte seine Mutter, als wäre das eine besondere Leistung, »du hast heute Geburtstag, richtig?« Sie war barfuß und trug noch ihr Schlafshirt. Einige Haarbüschel standen verfilzt ab. Rote Druckstellen auf ihrer Wange verrieten, dass sie gerade aufgestanden war. Es war halb vier nachmittags.

»Richtig.«

Jacob stellte die Einkaufstüte auf den Küchentisch und zwei Schultaschen, eine schäbige alte und eine coole neue, darunter. Sie hob ihm eine Flasche Wodka entgegen.

»Willst du einen Schluck? Zur Feier des Tages?«

»Nein!«

Erstens schmeckte Wodka scheußlich, zweitens wollte er nicht so werden wie sie und drittens durfte er gar nicht daran denken, was die Krüger anstellen würde, wenn sie davon Wind bekam, dass seine Mutter ihm Alkohol anbot.

»Hab’s doch nur gut gemeint, jetzt sei nicht böse!«

Sie machte Augen wie ein junges Reh und wirkte sofort zart und zerbrechlich. Heute Morgen hatte er sich noch geschworen, nie wieder ein Wort mit ihr zu reden, weil der Küchentisch, von ihren Kippen abgesehen, leer gewesen war. Keine Geburtstagstorte, keine Kerze, keine Geschenke. Nicht einmal ein klitzekleines. Happy birthday to me! Alles Gute zum vierzehnten Lebensjahr, lieber Jacob Birkmann! Wie schön, dass du geboren bist, wir hätten dich sonst sehr vermisst. Auch zu Essen war nichts im Kühlschrank gewesen, nicht einmal für ein Pausenbrot hatten die Vorräte gereicht. Doch aus irgendeinem Grund konnte er seiner Mutter nie lange böse sein. Was soll’s, sie ist krank und regelmäßige Mahlzeiten werden sowieso überschätzt. Außerdem ist es vielleicht gar nicht ihre Schuld, denn wer konnte sich schon aussuchen, mit welchen Gaben er geboren wird? Es gab Zeiten, da war sie echt witzig, sie konnte verdammt gut singen und ganz dumm war sie auch nicht. Nur zum Mutter sein fehlte ihr einfach jedes Talent.

»Es sind zwei Briefe gekommen. Einer vom Jugendamt.«

Sie reichte ihm das Schreiben und er überflog es. Die Krüger lud ihn zu einem Gespräch ein. Schon diesen Freitag, ihm blieb aber auch nichts erspart. Eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt war übel, aber nicht halb so schlimm wie ein Gespräch mit der Krüger. Hin und wieder klopfte sie mit ihrem Stockschirm an die Tür und inspizierte ihre Wohnung. Nie war es dieser Hexe ordentlich genug, obwohl er sämtliche Fliesen scheuerte, die Kippen ausleerte und ihre Flaschen versteckte. Wegen der Krüger passte er in der Schule höllisch auf und legte jedes Wort auf die Goldwaage, denn alles was er sagte oder tat, berichteten seine Lehrer brühwarm ans Jugendamt und er wusste genau was passieren würde, wenn er das Falsche sagte. Zweimal schon hatte die Krüger gedroht, ihn in ein Heim zu stecken. Doch das würde er nicht zulassen. Niemals.

»Der zweite Brief ist an dich adressiert. Hast wohl ’ne Freundin?«

»An mich?«

Sie reichte ihm einen kleinen gepolsterten Umschlag. Jemand hatte ihm geschrieben. Er konnte es kaum glauben. Gab es irgendwo auf der Welt einen Menschen, der wusste, dass er Geburtstag hatte? Oder besser gesagt, einen, den das interessierte? Sein Vater vielleicht? Vor zwei Jahren hatte er ihn ausfindig gemacht, hatte sich einen Ruck gegeben und war zu der Werkstatt gelaufen, in der er arbeitete. Doch dieser Blödmann hatte sich nur kurz umgedreht und gemeint, er solle sich verpissen. Ob er seine Meinung geändert hatte?

Jacob nahm den Brief und ging in sein Zimmer. Der Absender besaß eine saubere Handschrift. Die schwungvollen, mit schwarzer Tinte gezogenen Buchstaben wirkten wie gemalt. Er schob den Fingernagel in eine Öffnung an der Seite und riss den Umschlag auf. Etwas fiel heraus und rollte unter das Bett. Jacob ging auf alle Viere und legte sich flach auf den Boden. Zwei völlig eingestaubte Socken, ein grüner Filzschreiber, den er schon seit Wochen vermisste, eine Schokoriegelverpackung, eine Perle. Vorsichtig hob er die kleine Kugel auf und drehte sie in der Handfläche. Sie war makellos. Ihre Oberfläche schimmerte champagnerfarbenen. Man brauchte nicht viel Phantasie, um sie sich am Zepter eines Königs vorzustellen. Außer der Perle und einem karierten Notizzettel war der Umschlag leer. Merkwürdig. Warum sollte ihm jemand eine Perle schenken? Jacob zog das Blatt heraus und entfaltete es.

Ich wirke um Mitternacht. Folge den Eulen.

Das war alles. Kein Geburtstagsgruß, kein Absender, nur diese rätselhaften Worte. Wollte sich jemand einen Scherz erlauben? War sein Name versehentlich auf den Umschlag geraten? Vorsichtig legte Jacob die Perle auf seinen Schreibtisch. Es gab mindestens tausend coole Geschenke, die man einem frischgebackenen Vierzehnjährigen machen konnte, aber Perlen gehörten eindeutig nicht dazu. Vergiss es einfach, da will dich jemand verarschen. Jacob zog sein Matheheft hervor und versuchte, sich auf die Hausaufgabe zu konzentrieren. Ab und zu wanderte seine Hand zu der Perle und er drehte und wendete sie gedankenverloren. Dann beschloss er, dass es Wichtigeres gab, um das er sich zu kümmern hatte und legte sie entschlossen zur Seite. Algebra war nicht sein Ding und er brauchte länger als erwartet. Als er endlich fertig war, holte er die neue Schultasche aus der Küche. Er hatte sie auf dem Heimweg bei Lederwaren Rosner gekauft. So ohne Schulbücher war sie ungewohnt leicht. Wunderschön, schwarz mit einem kleinen silbernen Ornament, das einen Drachen darstellte. Genau diese wollte er schon ewig haben. Seine Fingerspitzen glitten über jedes coole Detail. Die Tasche war der Hammer, kein Vergleich zu seiner alten, bei der er den albernen Comicaufdruck schon vor Monaten mit einem schwarzen Permanentmarker übermalt hatte. Kaum zu fassen, dass sie dadurch noch schäbiger geworden war, eine Steigerung war kaum zu erwarten gewesen. Egal, jetzt war sie endlich Geschichte. Jacob nahm das zerknüllte Papier aus den Innenfächern und räumte sorgfältig die Schulbücher ein.

Special Agent Yaki Turner hätte sich keine Schultasche gekauft. Der hätte das Geld zur Kottkowa gebracht!

Der Gedanke an seinen Helden bereitete Jacob Bauchschmerzen. Wer's findet, dem gehört's, entgegnete er seiner inneren Stimme. Gewissensbisse waren etwas für Leute, die sie sich leisten konnten. Und überhaupt, nur weil die Geldbörse vor dem Spint seiner Lehrerin gelegen hatte, hieß das noch lange nicht, dass sie auch ihr gehörte.

Seufzend stand er auf, ging zum Altglascontainer und stellte den Straßenkatzen drei Schälchen Dr. Leckerlis Feinste Geflügelbrocken ins Gebüsch. Diva kam sofort angelaufen, strich ihm um die Beine und maunzte. Jacob ging in die Hocke und kraulte sie. Sie war mager, nur ein schwarzweiß getigertes Fell und eine Handvoll Knochen, aber ihre smaragdgrünen Augen waren der Hammer. Sie schnurrte zufrieden. Etwas später folgten Nick und Tiger. Jacob setzte sich auf den Rinnstein und sah ihnen eine Weile beim Fressen zu. Als Diva satt war, richtete sie sich auf, drehte ihm ihr Hinterteil zu und marschierte mit aufgerichtetem Schwanz davon. Ihren Kopf hielt sie hoch erhoben, als würde sie ein unsichtbares Krönchen balancieren. Jacob sah ihr hinterher bis sie verschwunden war. Dann ging er nach oben, räumte die Küche auf und wartete darauf, dass Specialagent Yaki Turner im Fernsehen lief.

Später, während er die Zähne putzte und seinen Pyjama anzog, ertappte er sich bei der Vorstellung, Yaki Turner wäre sein Vater. Ob er ihm wirklich befohlen hätte, die Geldbörse abzugeben? Ach, zur Hölle mit diesen unnützen Gedanken! Das Schicksal schuldete ihm so etwas wie ausgleichende Gerechtigkeit. Weil heute verdammt noch mal sein Geburtstag war und er in dieser Scheißgegend wohnte, wo man Geburtstage nur verdrängen oder wie Treppenstufen, die ins Freie führen, abzählen konnte. Von seiner Mutter abgesehen, hatte ihm kein Schwein gratuliert und Helden wie Yaki Turner gab es nur im Fernsehen. Es müsste ein Gesetz erfunden werden, das jeden, der an seinem Geburtstag kein Geschenk bekam, dazu verpflichtete, es sich selbst zu kaufen. Noch im Bett grübelte er über die Ungerechtigkeiten der Welt. Dann fiel ihm der Brief wieder ein. Wer ihn wohl geschrieben hatte? War die Perle etwa doch ein Geburtstagsgeschenk gewesen? Er griff zum Schreibtisch, angelte nach der kleinen Kugel und ließ sie über die Handfläche rollen. Ich wirke um Mitternacht, folge den Eulen. So ein Schwachsinn! Perlen entfalteten keine Wirkung. Und was sollte der Quatsch mit den Eulen? Na, im Grunde war es egal, wer ihm diesen beknackten Zettel geschrieben hatte. Er war verarscht worden. Punkt. Kurz vor Mitternacht schlief er ein, die Perle fest in der Hand.


2

Die Kälte weckte ihn. Jacob lag bäuchlings auf einem nächtlichen Waldweg. Feuchtes Laub durchnässte sein Shirt. Über ihm hing die fahle Scheibe des Vollmonds. Erschrocken rappelte er sich auf. Adrenalin schoss in seine Blutbahn und peitschte durch die Adern. Wo zur Hölle war er? Was war geschehen? Hatte man ihn entführt? Hatte er einen Blackout erlitten? Er starrte auf seine geballte Hand, die noch immer die Perle umschloss. Ich wirke um Mitternacht. Verdammte Scheiße – hatte sie ihr Versprechen gehalten? So ein Quatsch, es musste eine andere Erklärung geben. Unwillkürlich entfuhr ihm ein sarkastisches Lachen, obwohl er sich nicht sicher war, ob er nicht lieber weinen wollte. Vielleicht sollte ich mich freuen, so ein Abenteuer erlebt man schließlich nicht alle Tage. Sofort schaltete sich seine innere Stimme ein. Von wegen freuen! Du steckst in der Scheiße und weißt nicht mal, wie du reingeraten bist. So etwas kann nur dir passieren! Du bist ein komplette Loser! Jacob tat sein Bestes, um die innere Stimme zu ignorierten. Er stand auf, klopfte sich so gut es ging den feuchten Dreck von den Kleidern und sah sich um.

Wie Ungeheuer ragten die Bäume vor einem tiefblauen Himmel auf. Die Nacht um ihn her roch nach Laub und Walderde. Merkwürdige Geräusche drangen aus der Ferne an sein Ohr. Vor ein paar Jahren war er bei Dämmerung über den städtischen Friedhof gelaufen. Es war eine Mutprobe gewesen, die er sich selbst auferlegt hatte. Beim kleinsten Geräusch war er zusammengezuckt und hatte sich hundertmal umgesehen, obwohl der Ort leer und verlassen gewesen war. Auch jetzt lauerte nirgends eine konkrete Bedrohung, doch die schwarzgezackte Wand aus Bäumen, die ihn umgab, ließ ihm sämtliche Nackenhaare zu Berge stehen. Noch immer brannte und kribbelte das Adrenalin in seinen Adern. Atme gleichmäßig, Alter, zwing dich zur Ruhe, du brauchst einen klaren Kopf!

Vor der runden Scheibe des Monds tauchte der Schatten einer Eule auf, eine weitere folgte. Jetzt hörte er auch ihre unverkennbaren Schreie, die durch die Dunkelheit hallten wie Mahnrufe. Unentschlossen starrte Jacob zu ihnen empor. Folge den Eulen! Sollte er der Anweisung trotzen? Wer sagte ihm, dass der Briefeschreiber sein Freund war? Vielleicht wollte er ihn in eine Falle locken? Oder die Ereignisse hatten gar nichts mit der Perle zu tun und alles war nur ein dummer Zufall, etwas, das sich leicht aufklären ließ? Wie auch immer, die Eulen waren die einzigen lebendigen Wesen an diesem Ort und die Vorstellung, dass sie fortfliegen und ihn alleine zurücklassen könnten, verursachte ihm Magendrücken. Also gab er sich einen Ruck und folgte ihnen.

Mit wenigen Flügelschlägen hätten die Nachtvögel sich aufschwingen und ihn zurücklassen können. Stattdessen hielten sie immer wieder an, bogen nachsichtig ihre Köpfe in seine Richtung und beobachteten ihn aus starren Augen. Erst wenn er näher kam, flogen sie weiter. Langsam gewöhnten sich Jacobs Augen an die Dunkelheit. Seine Schritte bekamen einen Rhythmus und passten sich der ungewohnten Anstrengung an. Eines der Käuzchen flog jetzt ganz dicht an seiner Seite. Das gefiel ihm. Konzentriere dich, sei wachsam! Das hier ist kein verdammter Schulausflug, es gibt nicht den geringsten Grund zur Vorfreude. Und falls du es noch nicht gemerkt hast: Dieser Wald mehr als eigenartig!

An diesem Punkt hatte die innere Stimme nicht ganz Unrecht. Der Wald hatte etwas Bedrohliches. Es war nur ein Gefühl, etwas das er nicht in Worte fassen konnte. Aber er hätte wetten können, dass er die Pflanzen, die hier wuchsen, noch niemals gesehen hatte, nicht einmal in Büchern.

Plötzlich - nichts hatte zuvor darauf hingedeutet - ließ sich direkt vor ihm ein Wesen kopfüber aus den Ästen fallen.


ƒ3

Vor Schreck setzte Jacob einen halben Meter zurück und stieß einen panischen Kleinmädchenschrei aus. Dann erkannte er, dass er nur das Gesicht eines Jungen vor sich hatte. Der Fremde hatte sich mit den Kniegelenken in einen Ast gehakt. Kopf und Arme baumelten nach unten. Er grinste so breit, dass seine Zähne weiß wie Klaviertasten in der Dunkelheit leuchteten. Mit einem schnellen Salto nach vorne kam er mühelos auf die Füße und stand Jacob gegenüber. Er trug ein Narrenkostüm. Selbst im schalen Licht des Vollmonds erkannte man, dass es aus einem weichen, verwaschenen Stoff war, aus Leinen vielleicht. Die rechte Hälfte seiner Hose war dunkelrot, die linke schwarz. Beim Oberteil war es anders herum. Ein Dolch und die dazugehörige Narrenkappe steckten am Gürtel. Der Junge war barfuß, hatte dunkle Augen und ungebändigte Haare. Er war etwas größer als Jacob, viel älter konnte er aber nicht sein. Schweigend musterten sie sich.

»Hast du eine Perle?«, fragte der Narr.

Jacob nickte stumm. Einfach oberpeinlich, wie panisch er reagiert hatte. Bestimmt hielt der Typ ihn für ein komplettes Weichei. Auch der Narr besaß eine Perle, er trug sie zusammen mit einem kleinen Silberstern um seinen Hals. Verschwörerisch grinste er Jacob an.

»Wer bist du?« Endlich hatte Jacob seine Stimme wiedergefunden. »Wo sind wir? Und wie sind wir hier hergekommen?«

»Magie«, flüsterte der Fremde und deutete mit einer ausholenden Bewegung auf die Bäume ringsum. »Das alles hier ist aus reinster und allerfeinster Magie gesponnen!« Seine Augen blitzten so begeistert, als hätte Jacob das große Los gezogen. »Den Rest erklär ich dir später. Komm mit!«

Alles klar. Erste Möglichkeit: Ich bin verrückt geworden. Zweite Möglichkeit: Man hat mich entführt und zusammen mit einem durchgeknallten Spinner im Wald abgeladen. Dritte Möglichkeit: Ich träume gerade den lebendigsten Traum meines Lebens. Vierte und letzte Möglichkeit: Der Typ hat recht und so etwas wie Magie gibt es wirklich.

»Halt warte, woher soll ich wissen, ob ich dir trauen kann?« Der Narr antwortete nicht, sondern lief einfach voraus. Jacob seufzte und folgte ihm.

Mit zielsicheren Schritten durchquerte der Junge das Gelände. Hin und wieder hielt er an, um in die Dunkelheit zu lauschen. Jacob hätte sich nicht vorstellen können, dass der Wald noch eigentümlicher werden könnte, doch er hatte sich geirrt. Sie passierten Gewächse, die zu atmen schienen. Manche schlugen um sich oder waren stachelbewehrt. Blätter, die sich zu Posaunen rollten, stießen ein Geräusch aus, das einem durch Mark und Bein ging. Ein paar Mal glaubte Jacob einen schwarzen Schatten vorbeihuschen zu sehen, doch als er das Unterholz näher beäugte, konnte er nichts erkennen. Sie kamen an knorrigen weißborkigen Bäumen vorbei, deren Zweige lang und dünn herabhingen, wie spinnwebfeines Lametta. »Gespensterhaarbäume«, erklärte der Junge. »Als ich sie zum ersten Mal gesehen habe, habe ich richtig Gänsehaut bekommen. Man sagt, sie gewähren nur dem Wind die Ehre, durch ihre silbrigweißen Fäden zu streichen. Nicht einmal die Vögel wagen sich nahe heran.«

Er stoppte, um dem seltsamsten Tierrudel Platz zu machen, das Jacob jemals gesehen hatte. Fußballgroße pastellfarbene Wesen, die aus nichts weiter als einem flauschigen Fell und einem breiten Mund zu bestehen schienen. Rechts und links ragten Eckzähnchen daraus hervor.

»Das sind Duduffs. Knuddelige Kerlchen, was? Keine Sorge, die tun keinem was. Pass lieber auf, dass die Motten dich nicht erwischen!« Der Narr deutete auf irgendwelche Flattertiere, die hoch über ihren Köpfen in der Luft standen. Ihre Körper waren prall gestopft wie Bratwürste und sie besaßen nadelspitze Zähne und hässlich zerrupfte Flügel. Kaum hatte Jacob sich von ihrem Anblick erholt, krabbelten Käfer von der Größe kleiner Schuhschachteln über den Weg. Ihre Kieferwerkzeuge klackerten aufeinander wie gut geölte Beißzangen. Ihm lagen tausend Fragen auf der Zunge, doch immer wenn er den Mund aufmachte, legte der Narr einen Finger auf die Lippen. »Später!«, flüsterte er, »Sei still!«

Sie bogen ab und folgten einem schmalen Pfad, der sie zu einem Tümpel führte. Tagsüber war er sicher nur ein schmutziges Loch, in dem sich das Regenwasser sammelte, doch jetzt erleuchtete ein sich spiegelnder Vollmond die Wasseroberfläche und er wirkte verwunschen und magisch.

»Hier können wir reden«, sagte der Narr. »Wenn Wasser in der Nähe ist, greifen sie nicht an.«

»Wer greift nicht an?«

»Die Schattenalpe. Es gibt sie überall, im ganzen Wald. Man ist nirgends vor ihnen sicher. Nicht einmal am helllichten Tag.«

Schattenalpe. Was immer das war, es klang beunruhigend. Aber Jacob wollte sich nichts anmerken lassen - nicht, nachdem er sich mit seinem Kleinmädchenschrei so erbärmlich blamiert hatte.

»Wie heißt du?«, fragte er stattdessen.

»Du kannst mich Piko nennen.« Der Junge ließ sich im Schneidersitz am Ufer nieder. »Schau in den Tümpel! Na los!«

Gehorsam beugte sich Jacob vor und starrte in die Tiefe. Er kapierte nicht, was es hier so Besonderes zu sehen geben sollte. Was wollte Piko von ihm? Hier gab es nichts als Schwärze. Doch dann begegnete ihm sein Spiegelbild auf der Wasseroberfläche und nein, das war keine Einbildung! Es verwandelte sich wirklich! Heilige Scheiße! Zuerst war die Veränderung nicht gravierend, doch sie reichte aus, um ihn älter und entschlossener aussehen zu lassen, markanter, ja, beinahe hübsch! Seine Haare wuchsen zu einer perfekten Frisur heran. Sein Körper wurde drahtiger. Wow, man könnte mich glatt für eine jüngere Ausgabe von Specialagent Yaki Turner halten! Verblüfft betastete Jacob seine Wangenknochen, die jetzt einen winzigen Tick ausgeprägter waren. Es war also nicht nur das Spiegelbild, das sich verändert hatte, auch er selbst. Mann, ich sehe gut aus. Richtig gut! Vielleicht nicht modelmäßig, aber man konnte zufrieden sein.

»Überrascht? Ging mir auch so! Hier sieht jeder aus, wie er wirklich ist. Tief in seinem Innern, meine ich. Deshalb benutzt hier keiner den Namen, den man ihm gegeben hat. Jeder sucht sich einen aus, das ist besser. Sag mir einfach, wie ich dich nennen soll.«

Noch immer sprachlos fuhr sich Jacob durch die Haare. Eigentlich waren sie dunkelblond - seine Mutter nannte sie straßenköterblond – doch jetzt leuchteten sie hell wie Weizenähren. Also gut, Version Entführung schied aus, Version Magie rückte nach vorne.

»Äh … Yaki wäre cool, denke ich.«

Piko grinste: »Tja, dann mal willkommen, Yaki. Wenn du uns beitreten willst, bringe ich dich zur Insel und stell dich den anderen vor. Aber sag besser gleich, wenn dir der Mumm fehlt. Noch hast du die Chance umzukehren.«

»Was? Wie? Halt, einen Moment mal! Verrate mir erst, wo wir hier eigentlich sind!«

»Im Ewigen Wald. Die Eulen, das sind wir. Wenn auch die Leute in den umliegenden Dörfern nicht ganz so freundliche Namen für uns haben. Piratenpack ist noch einer der angenehmsten.«

»Piratenpack? Wieso sagen sie das? Klaut ihr?«

»Hmm. Manchmal.«

»Und wieso nennt ihr euch Eulen? Könnt ihr euch in Tiere verwandeln?«

Piko lachte: »Natürlich nicht, du Witzbold! Wir haben uns nach ihnen benannt, weil sie uns zur Insel gebracht haben.«

Okay, er hätte nicht mit diesem unsinnigen Gedanken herausplatzen sollen, jetzt kam er sich ein bisschen blöd vor. Aber inzwischen hätte er fast alles für möglich gehalten.

»Und jeder von euch hat eine Perle bekommen?«

»Jeder, der auf der Insel lebt. Eigentlich hätten wir uns auch die Perlen nennen können, aber das klingt irgendwie schwul, findest du nicht?«

Sie lachten.

Hoch in der Luft sammelten sich die echten Eulen und umkreisten den Tümpel. Jacob schaute wie hypnotisiert zu ihnen empor und verfolgte ihre Umrisse, die sich schwach vom Dunkel des Himmels abhoben. Kam es ihm nur so vor, oder verhielt sich eine dieser Eulen ganz und gar nicht eulenhaft? Ihren Flügelschlägen fehlte das sanfte, fast geisterhafte Gleiten der Nachtvögel. Sie flappten rhythmisch auf und ab, als müssten sie die Bewegungen eines langen schlaksigen Körpers ausgleichen. Jetzt kam das Wesen näher, streckte die Beine vor und setzte zur Landung an. Jacob rieb sich die Augen. Er musste träumen. Keine zwei Meter von ihm entfernt landete ein lebendiger Drache von der Größe einer Marionette! Sein Schuppenpanzer reflektierte das Mondlicht. Es sah aus, als spiegelten sich tausend Sternschnuppen darin. Kopf und Körper erinnerten an ein Seepferdchen. Der Drache kam vor ihm zum Stehen, legte den Kopf schief und sah ihn aus mondgelben Augen an. Jacob hätte ihn gerne berührt, doch er traute sich nicht einmal zu atmen, so sehr fürchtete er, das wundervolle Geschöpf zu erschrecken.

»Wow!«, sagte Piko. »Nicht zu fassen! Du bist schon der zweite, dessen Totemtier ein Drache ist. Dabei sagt man diesen Wesen nach, selten zu sein!«

Der Narr hatte sich zurückgelehnt, die langen Beine ausgestreckt und übereinandergeschlagen, die Hände hinter dem Kopf verschränkt. Neugierig beäugte er den kleinen Drachen.

»Mein Totemtier? Was meinst du damit?«

Inzwischen war der Drache ein Stückchen herangerückt. Vorsichtig streckte Jacob seine Hand nach ihm aus. Der Kleine schnupperte interessiert. Er gurrte freundlich, wie zur Begrüßung. Sogar streicheln ließ er sich. Die Drachenhaut war zart und warm, die weichen Schuppen schillerten bei jeder Bewegung wie kostbare Edelsteine. Jacob konnte den Blick kaum abwenden.

»Dein Totem ist dein persönlicher Schutzgeist. Ein Tier, das dir wesensverwandt ist. Welches es ist, soll einiges über dich aussagen. Übrigens erscheint das Totem genau in dem Moment, in dem man sich entscheidet, sich auf den Ewigen Wald mit all seinen Abenteuern einzulassen. Das hast du wohl getan, meinen Glückwunsch!«

Wow, wir sind uns ähnlich! Das war cool. Jacob fühlte sich auf einzigartige Weise geadelt, weil der Drache gerade ihm erschienen war.

»Und was soll so ein Drachen-Totem über mich aussagen?«

»Naja. Die Meinungen gehen auseinander. Die einen sagen, du hast das Herz eines Kriegers, tapfer, treu, edel, ein Überlebenskünstler …«

»Und die anderen?«

»Die werden behaupten, dass du genauso ein Baby bist, wie dein Drache!«

Piko lachte. »Aber eigentlich sagen sie das nicht über dich, sondern über Mo. Sie besitzt auch ein Drachenjunges und wenn du sie mal in einer ihrer Trotzphasen erlebt hast, kommt sie dir wirklich wie ein Kleinkind vor!«

Mittlerweile war der Drache zutraulich geworden. Zärtlich rieb er seinen Kopf an Jacobs Arm.

»Hast du auch ein Totemtier?«

Ein Strahlen erfüllte Pikos Gesicht.

»Willst du sie sehen?«

»Na klar!«

Der Narr wandte sich um, schnalzte dreimal mit der Zunge und flüsterte: »Victoria!«

Es dauerte nicht lange, da tauchten zwei gelbe Augen in der Dunkelheit auf und mit geschmeidigen Bewegungen schritt ein Panther zu Piko herüber. Sofort schlang der Narr seine Arme um den riesigen Kopf.

»Ist sie nicht wunderschön?«

»Das ist sie!«, bestätigte Jacob.

»Sie ist das herrlichste Tier, das man sich denken kann!« Piko strahlte überglücklich und schaute seinen Panther zärtlich an, während er seine Finger durch das schwarzblau glänzende Fell gleiten ließ.

»Und was sagt so ein Panther-Totemtier über dich aus?«

»Na, was denkst du, was es über mich aussagt?«

Jacob überlegte: »Hm, naja, ich schätze mal, du hast einen starken Charakter …«

Piko bestätigte seinen Verdacht mit einem euphorischen Nicken.

»… und du bist unabhängig …«

Wieder nickte Piko, als platze er gleich vor Stolz.

»Du gehst deine eigenen Wege … lässt dir nicht gerne etwas vorschreiben …«

Erneut ein freudestrahlendes Nicken.

»… und du bist ganz allein.«

Das Lächeln fiel von Pikos Gesicht. »Wir sollten aufbrechen«, sagte er, »wir haben noch einen weiten Weg vor uns!«

Sie standen auf. Der kleine Drache flatterte auf Jacobs Schulter, als wäre das von jeher sein angestammter Platz.

»Ab jetzt musst du wirklich ganz leise sein!«, sagte Piko. »Das ist kein Scherz. Glaub mir, du willst die Schatten lieber nicht auf dich aufmerksam machen.«

Jacob nickte und Piko ging voran durch den nächtlichen Wald. Alles war still, nur die kleinen Glöckchen an seiner Narrenkappe sangen bei jedem Schritt eine leise Melodie.


ƒ4

Jacob blieb stehen. Der Wald hatte sich gelichtet, die Bäume längs des Wegs neigten sich zu einem Bogen aus jungem Grün und gaben den Blick auf eine kleine Bucht frei. Wow, er wusste nicht, wohin er zuerst schauen sollte. Noch nie in seinem Leben hatte er so viel Schönheit auf einem einzigen Flecken gesehen. Die ersten Sonnenstrahlen tauchten den Himmel in ein pastellfarbenes Licht, das sich in den sanften Wellen brach. Der angenehmen Brise nach zu urteilen, würde es ein warmer Tag werden. Aus der Mitte der Bucht erhob sich eine Insel. Schwarze Felsen, dazwischen Bäume, Sträucher, Hütten mit ausladenden Terrassen und Balustraden, waghalsig konstruierte Baumhäuser, Efeuranken, Hängeleitern, sogar eine Schaukel. Drei majestätische Bäume, die alles andere überragten, wirkten wie Säulen aus schwarzem Marmor. Das Festland umschloss das glitzernde Wasser der Bucht mit einem halbmondförmigen Schutzwall aus Bäumen.

Piko sah ihn an. »Der Anblick kann einem umhauen, was? Ging mir genauso.«

»Mann, ist das abgefahren!«

Sie stiegen hinab zum Strand. Piko bog ein paar Zweige zur Seite und zog ein Kanu hervor, das im Gebüsch versteckt gewesen war. Jacob packte mit an und sie trugen es zur Brandung. »Bist du schon mal Kanu gefahren? Keine Sorge, es ist nicht schwer.«

Das Wasser war angenehm kühl und so klar, dass man den Sand und winzige silbrige Krebse auf dem Grund sehen konnte. Piko zeigte ihm, wie er das Ruder setzen musste und bald hatte er den Bogen raus. Der Panther schwamm neben ihnen her, als wäre es das Normalste der Welt.


Auf der Insel war es still. Sicher schliefen noch alle. Sie zogen das Kanu an Land und kletterten über die Felsen nach oben, wo eine Seemannstruhe im Gebüsch stand. Der Deckel war schwer, sie mussten ihn gemeinsam stemmen, um die Truhe zu öffnen. Piko ließ sich mit halbem Oberkörper hineinfallen und wühlte.

»Hast du gewusst, dass ich komme?«, fragte Jacob. »Oder spazierst du immer nachts durch den Wald?«

Piko zog eine an den Knien gekürzte Jeans, einen Gürtel und eine Art Seeräuberhemd hervor.

»Hier«, sagte er. »Zieh das an! Und such dir eine Waffe aus. Gibt es etwas, womit du umgehen kannst? Degen? Schwert? Säbel?«

Jacob wollte nicht zugeben, dass er keine Ahnung von Waffen hatte, deshalb sagte er: »Gib mir einfach irgendwas« und Piko reichte ihm ein Messer und einen Dolch.

»Die meisten Eulen kommen in der Nacht vor Vollmond zu uns. Keine Ahnung, wieso. Deshalb hält in dieser Nacht immer irgendwer nach Frischlingen Ausschau.«

Sie liefen weiter, kletterten über Felsen, kamen an einer Quelle vorbei, überquerten zwei kleine Brücken und gelangten so auf eine Plattform, auf der einige Luftmatratzen lagen. Piko steuerte auf die dahinterliegende Hütte zu und hämmerte an die Tür.

»Nele! Mo!«

Drinnen rührte sich etwas, die Tür wurde aufgerissen und zwei Mädchen traten ins Freie. Die beiden hätten nicht unterschiedlicher sein können: Das erste war sonnengebräunt, ihr Shirt ärmellos und mit einem Totenkopfaufdruck versehen. Die schwarzen Haare standen ihr wild vom Kopf. Sie bedachte Piko mit einem Blick, der verriet, dass sie den Narren mehr mochte als ihr gut tat. Auf ihrer Schulter saß ein kleiner Drache, also musste sie Mo sein. Im Gegensatz zu Jacobs Drachen, dessen Schuppenkleid aus tausend winzigen Silberspiegeln bestand, war ihr Exemplar ein Feuerwerk aus rotgoldenen Münzen.

Das zweite Mädchen sah aus wie einer Astrid-Lindgren-Geschichte entsprungen. Ihre feinen blonden Haare waren zu Zöpfen geflochten, sie war barfuß und trug ein weites hellblaues Hängekleid mit aufgesetzten Taschen. Ihr Totemtier, ein flauschiges Rotkehlchen, stand flatternd hinter ihr in der Luft und teckerte.

»Piko, da bist du ja endlich! Wir dachten schon, du kommst nicht mehr!«, rief Mo.

»Gab es Kämpfe?«, fragte Nele besorgt.

Piko schüttelte den Kopf: »Heute nicht. Weit und breit hat sich kein einziger Schattenalp blicken lassen.«

Nele seufzte erleichtert.

»Das ist Yaki«, stellte Piko ihn vor. »Ich dachte, er kann in Dantes altem Zimmer wohnen.«

»Klar«, sagte Mo. »Dante kommt nicht wieder. Irgendwann müssen wir das Zimmer neu vergeben.«

Sie nickte Piko zu und gemeinsam schritten sie ins Innere.

Moskitonetze umhüllten zwei schmale Betten. In ausgedienten und zu Schränken umfunktionierten Kanus lagerten Bücher und Alltagsgegenstände. An der Wand lehnte ein Degen. Die Fenster machten den größten Teil der Wand aus und gaben einen herrlichen Blick auf Wald und Ozean frei. Durch ein Loch in der Zimmerdecke wuchs ein Baum, an dessen Stamm Leitersprossen befestigt waren. Die Mädchen ließen Jacob den Vortritt und er kletterte hoch. Das obere Zimmer ähnelte dem der Mädchen, nur dass es zusätzlich einen kleinen Balkon besaß. Dort hatte jemand ein Sprungbrett montiert, so dass er, sollte er jemals den Mut finden, direkt nach dem Aufwachen ins Meer springen konnte. Der Vorbesitzer des Raums, der Junge, den sie Dante nannten, hatte ein paar persönliche Gegenstände zurückgelassen. Ein Halstuch, einen Kompass, eine Taschenlampe, ein aufgeschlagenes Mangaheft und mehrere Münzen. Was wohl mit ihm geschehen war?

»Das Zimmer gehört jetzt dir!«, sagte Piko. »Willkommen auf der Euleninsel!«

»Danke.«

»Könnt ihr Mädchen euch ein bisschen um Yaki kümmern? Ich muss weiter. Ihr wisst schon, das Vollmondfest. Bald werden die Jäger eintreffen und bis dahin muss ich noch einiges vorbereiten.«

Mo verzog enttäuscht den Mund, doch als Piko ihr zuzwinkerte, war sie bereits versöhnt.

»Sicher willst du frühstücken, Yaki?«, fragte Nele. »Wir haben Beeren gesammelt und Kuchen gebacken.«

Sie kletterten alle nach unten auf die Terrasse, Piko verabschiedete sich und Nele ging um die Ecke, um den Kuchen zu holen.

»Du bist also der Neue«, sagte Mo und musterte ihn von oben bis unten. Zu welchem Ergebnis sie kam, behielt sie für sich. »Kannst du mit Waffen umgehen?«

»Muss ich das?«

»Wenn du überleben willst, wäre es besser.«

Die Drachen beschnüffelten sich, flogen auf und probierten Überschläge in der Luft. Mo konnte den Blick kaum abwenden. Auch wenn sie niemals zu lächeln schien, hatte sie etwas an sich, das er mochte. Ob auch sie in den Tümpel gesehen und ihr Aussehen verändert hatte?

»Wie heißt er?«

»Flamm«

»Das passt!«

Jacob beschloss, sein Drachenmädchen Schnuppe zu taufen, da sie im Mondlicht wie abertausend Sternschnuppen gefunkelt hatte.

Nele kam zurück, drückte Mo und ihm je einen Teller in die Hand und zwinkerte ihm aufmunternd zu. »Du könntest Yaki Fechten beibringen, Mo. Es gibt niemanden, der so gut mit dem Degen umgehen kann wie du!«

Mo gab ein Geräusch von sich, das sowohl Zustimmung, als auch Ablehnung sein konnte.

Nach einer Weile sah Nele zu den drei hohen Bäumen auf, die Jacob bereits vom Ufer aus gesehen hatte und fragte zusammenhanglos: »Meinst du, ich soll Marker etwas Kuchen bringen? Der Arme schiebt schon die ganze Nacht Wache!«

Wieder gab Mo keine Antwort.

»Was hat es mit diesem Vollmondfest auf sich?«, fragte Jacob in die Stille hinein.

Mo setzte sich an den Rand der Terrasse, ließ die Füße baumeln und blickte schweigend Piko nach, der zusammen mit Victoria schon wieder unten beim Kanu war. Nele gab bereitwillig Auskunft: »Einmal im Monat feiern wir. Dann kommen alle Eulen zurück zur Insel und lassen es sich so richtig gutgehen.«

»Was feiert ihr denn?«

»Vielleicht, dass wir noch am Leben sind«, antwortete Mo ohne sich umzudrehen. Inzwischen war ihr Drache zu ihr zurückgeflogen und sie kraulte ihm gedankenverloren den Bauch.

»Ach, so schlimm ist es nicht!«, meinte Nele. »Gut, vor den Schatten musst du dich hüten, aber die meisten kommen hier ganz gut zurecht.«

»Dante kam wohl nicht gut zurecht?«

Mo drehte sich um. »Der Ewige Wald ist nicht der rechte Ort für Feiglinge, das muss dir klar sein! Die Schatten sind Gestaltwandler. Sobald sie in deine Nähe kommen, nehmen sie eine Form an, die dich so richtig fertig macht! Sie kennen deine Schwächen, deine Feinde, deine Ängste. Weiß der Teufel woher.«

»Also war Dante ein Feigling?«

Mo widmete sich wieder ihrem Drachen: »Nein, eigentlich nicht«, gab sie zu. »Dante war in Ordnung.«

»Wenn ihr auf der Insel in Sicherheit seid, warum geht ihr dann überhaupt in den Wald?«

Mo legte den Kopf schräg und bedachte ihn mit einem Blick, der verriet, dass sie jemand, der solche Fragen stellte, für reichlich unterbelichtet hielt. »Ab und zu brauchst selbst du was zu beißen! Und um das zu bekommen, hast du genau drei Möglichkeiten: Erstens, du wirst Jäger - dazu musst du aber Blut sehen können – denn so ein Ferkelchen auseinanderzunehmen ist im wahrsten Sinne des Wortes eine ziemliche Schweinerei. Zweitens, du gehörst zu den ganz Mutigen, fängst einen Alp und verkaufst ihn für eine Handvoll Münzen an einen Schattensammler. Oder drittens, du wanderst mit Piko in die Stadt, und während er mit seinen Gaukeleien die Leute ablenkt, ziehst du ihnen hinterrücks das Geld aus der Tasche. Unsere kleine Nele ist ein Genie auf diesem Gebiet.« Nele grinste stolz.

»Und du?«, fragte Jacob.

Mo zuckte mit den Schultern. »Ich mache alles, was notwendig ist.«

Jacob schwieg halb bewundernd, halb eingeschüchtert. Er war sich nicht sicher, ob er überhaupt zu einer dieser Arbeiten taugte. Nele schien seine Gedanken zu erraten. Sie berührte ihn sanft am Arm: »Mach dir keine Sorgen, Yaki, das Leben ist wirklich schön hier, auch wenn die Umstände manchmal etwas daneben sind. Wir haben jede Menge Spaß, du wirst schon sehen! Soll ich dir die Insel zeigen? Ich kenne eine Menge Abkürzungen und geheime Pfade. Ich weiß, wo man sich leicht zu den Höhlen abseilen kann und wo die besten Früchte wachsen. Oh, und natürlich musst du unbedingt die Bucht sehen, in der wir immer Piratenangriff spielen! Kommst du mit?«

Sie liefen über die Insel, bis sie zu einer weiteren kuriosen Hütte kamen. Der Unterschlupf war in einen hohlen Baum gebaut. Bunte Fliegenbänder flatterten überall im Wind. Sie waren an der Tür befestigt, an Ästen und an einem unförmigen weißen Zaun, der ein kleines Grundstück absteckte. Beim Baum stand eine Badewanne, die so ziemlich der unnützeste Gegenstand war, den man auf dieser Insel besitzen konnte. In ihr lagen ein Bündel Klamotten, ein Sombrero und einige dicke Kissen. Zwei kitschige Gartenzwerge flankierten die Eingangstür. Unter einem Tisch döste eine Schildkröte, der jemand ein Smiley und eine bunte Girlande auf den Panzer gemalt hatte. Überall lagen merkwürdige Gegenstände herum, ein Grammophontrichter beispielsweise oder ein Puppenwagen, der als Kerzenhalter missbraucht wurde. In den Ästen hingen tönerne Glocken und auf der Tischplatte lag ein Schnitzmesser, daneben ein bearbeitetes Stück Holz.

»Hier wohnt Aspen«, erzählte Nele. »Er sammelt alles Mögliche und Unmögliche, wie du siehst. Er ist Erfinder und Bastler. Außerdem schnitzt er für den Baum der verschwundenen Kinder«. Sie deutete auf den Holzklotz, der auf dem Tisch lag: »Das hier soll sicher Dante darstellen. – He, Aspen, bist du da?«

Jetzt bewegte sich das Kleiderbündel in der Badewanne. Der Sombrero fiel herab und ein Junge erhob sich. Aspen besaß rote Dreadlocks, helle Haut und Sommersprossen. Er war dünn und lang. Als er gähnte, enthüllte er ein Gebiss, das für sein schmales Gesicht einen winzigen Tick zu groß geraten war.

»Morgen, Kleine! Oh, haben wir einen Neuzugang?«

»Ich bin Yaki!«, sagte Jacob. Es war das erste Mal, dass er sich selbst so nannte, und ja, es fühlte sich gut an.

»Verstärkung ist immer willkommen! Bist du mit Mo verwandt, oder ist das mit dem Drachen Zufall? Na, egal! Wie sieht’s aus, kommt ihr beide mit runter zur Bucht?«

»Später«, entschied Nele. »Zuerst will ich Yaki die Insel zeigen. Hast du schon die Lampions für das Mondfest aufgehängt?«

Schuldbewusst verzog Aspen das Gesicht: »Das … äh … wollte ich gerade machen!«

»Dachte ich mir!« Nele grinste, winkte zum Abschied und zog Jacob mit sich. Die nächste Hütte war rund und fensterlos. Sie besaß eine Galerie, ein Kegeldach und eine Veranda. Auf den breiten Eingangsstufen hockte ein Junge, der wie ein kleiner Riese wirkte. Alles an ihm war eine Spur zu groß geraten. Vielleicht war er als Säugling in einen Topf mit Hefe gefallen und seither beständig aufgegangen.

»Hallo Toto!«, begrüßte ihn Nele. »Hast du gut geschlafen?«

Der kleine Riese nickte und lächelte dümmlich. Er starrte Jacob wortlos an, schien aber nicht darauf zu warten, dass Nele ihn vorstellte. Im Gegenteil wirkte er wie jemand, für den Namen nicht die geringste Bedeutung hatten. Trotzdem machte Nele sie bekannt und Toto hob seine massige Hand und sagte: »Dann bis später.« »Sein Totemtier ist der größte Ochsenfrosch, den du jemals gesehen hast«, erzählte Nele, als sie sich ein gutes Stück entfernt hatten. »Er hat ihn Walpurga getauft. Aspen hat den Namen vorgeschlagen, weil ihm nichts eingefallen ist. Toto ist ein bisschen zurückgeblieben oder so, aber er hat das Herz am rechten Fleck.«

Nach einer Weile passierten sie einen schmalen Weg. Nele blieb vor einem mit Rosen umwucherten Durchgang stehen. Sie zögerte. »Das hier solltest du wohl besser auch sehen.«

Sie zog ihn durch den Rosenbogen, hinter dem eine ganze Allee jener gruseligen Gewächse begann, die Piko Gespensterhaarbäume genannt hatte. Sie öffneten sich zu einem Ring, in dem Hölzer ganz anderer Art wuchsen: blätterlos, die Äste über und über bemalt und mit Schnitzereien versehen.

»Das sind die Bäume der verschwundenen Kinder«, erzählte Nele. »Wenn du genau hinsiehst, dann merkst du, dass es keine richtigen Bäume sind. Es sind Kunstwerke, die aus aberhundert Holzklötzen zusammengesetzt sind. Auf jedem einzelnen ist ein Kind abgebildet, das sich die Schattenalpe geholt haben.«

Sie bedachte ihn mit einem besorgten Seitenblick, als fürchtete sie, dass er sich umdrehen und davonlaufen könnte. Jacob trat näher.


[upd. 2016-02-01 11:34:54::31(STr)]
[upd. 2016-02-01 11:36:54::31(STr)]

[zum Seitenanfang retour]


[Redaktions-Overlay] TEST



Einfach in das Textfeld klicken, um mit dem Editieren zu beginnen.
Zum Stoppen außerhalb des Textfeldes klicken.

Leseprobe Eulenland


Prolog

Amirs nackte Füße fanden leichten Halt. Die Äste wuchsen zahlreich wie Treppenstufen, und die Kronen der uralten Bäume verwoben sich zu einem dichten Nest, das Schutz und Ausblick bot. Tief unter ihm umrauschten sanfte Brandungswellen die schwarzen Klippen der Insel. Die Gipfel des Ewigen Walds, der die Bucht sichelförmig umschloss, wogten sanft im Wind. Er jubilierte. Einen besseren Ort hätte er nicht finden können. Jetzt konnte es endlich losgehen! Hier würde er Hütten und Baumhäuser bauen und dann würde er sich Kinder einladen. Gut ausgewählte Kinder! Und mit ein bisschen Glück würden die Schattenalpe sie am Leben lassen.


1

»Ich hab mich erinnert«, sagte seine Mutter, als wäre das eine besondere Leistung, »du hast heute Geburtstag, richtig?« Sie war barfuß und trug noch ihr Schlafshirt. Einige Haarbüschel standen verfilzt ab. Rote Druckstellen auf ihrer Wange verrieten, dass sie gerade aufgestanden war. Es war halb vier nachmittags.

»Richtig.«

Jacob stellte die Einkaufstüte auf den Küchentisch und zwei Schultaschen, eine schäbige alte und eine coole neue, darunter. Sie hob ihm eine Flasche Wodka entgegen.

»Willst du einen Schluck? Zur Feier des Tages?«

»Nein!«

Erstens schmeckte Wodka scheußlich, zweitens wollte er nicht so werden wie sie und drittens durfte er gar nicht daran denken, was die Krüger anstellen würde, wenn sie davon Wind bekam, dass seine Mutter ihm Alkohol anbot.

»Hab’s doch nur gut gemeint, jetzt sei nicht böse!«

Sie machte Augen wie ein junges Reh und wirkte sofort zart und zerbrechlich. Heute Morgen hatte er sich noch geschworen, nie wieder ein Wort mit ihr zu reden, weil der Küchentisch, von ihren Kippen abgesehen, leer gewesen war. Keine Geburtstagstorte, keine Kerze, keine Geschenke. Nicht einmal ein klitzekleines. Happy birthday to me! Alles Gute zum vierzehnten Lebensjahr, lieber Jacob Birkmann! Wie schön, dass du geboren bist, wir hätten dich sonst sehr vermisst. Auch zu Essen war nichts im Kühlschrank gewesen, nicht einmal für ein Pausenbrot hatten die Vorräte gereicht. Doch aus irgendeinem Grund konnte er seiner Mutter nie lange böse sein. Was soll’s, sie ist krank und regelmäßige Mahlzeiten werden sowieso überschätzt. Außerdem ist es vielleicht gar nicht ihre Schuld, denn wer konnte sich schon aussuchen, mit welchen Gaben er geboren wird? Es gab Zeiten, da war sie echt witzig, sie konnte verdammt gut singen und ganz dumm war sie auch nicht. Nur zum Mutter sein fehlte ihr einfach jedes Talent.

»Es sind zwei Briefe gekommen. Einer vom Jugendamt.«

Sie reichte ihm das Schreiben und er überflog es. Die Krüger lud ihn zu einem Gespräch ein. Schon diesen Freitag, ihm blieb aber auch nichts erspart. Eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt war übel, aber nicht halb so schlimm wie ein Gespräch mit der Krüger. Hin und wieder klopfte sie mit ihrem Stockschirm an die Tür und inspizierte ihre Wohnung. Nie war es dieser Hexe ordentlich genug, obwohl er sämtliche Fliesen scheuerte, die Kippen ausleerte und ihre Flaschen versteckte. Wegen der Krüger passte er in der Schule höllisch auf und legte jedes Wort auf die Goldwaage, denn alles was er sagte oder tat, berichteten seine Lehrer brühwarm ans Jugendamt und er wusste genau was passieren würde, wenn er das Falsche sagte. Zweimal schon hatte die Krüger gedroht, ihn in ein Heim zu stecken. Doch das würde er nicht zulassen. Niemals.

»Der zweite Brief ist an dich adressiert. Hast wohl ’ne Freundin?«

»An mich?«

Sie reichte ihm einen kleinen gepolsterten Umschlag. Jemand hatte ihm geschrieben. Er konnte es kaum glauben. Gab es irgendwo auf der Welt einen Menschen, der wusste, dass er Geburtstag hatte? Oder besser gesagt, einen, den das interessierte? Sein Vater vielleicht? Vor zwei Jahren hatte er ihn ausfindig gemacht, hatte sich einen Ruck gegeben und war zu der Werkstatt gelaufen, in der er arbeitete. Doch dieser Blödmann hatte sich nur kurz umgedreht und gemeint, er solle sich verpissen. Ob er seine Meinung geändert hatte?

Jacob nahm den Brief und ging in sein Zimmer. Der Absender besaß eine saubere Handschrift. Die schwungvollen, mit schwarzer Tinte gezogenen Buchstaben wirkten wie gemalt. Er schob den Fingernagel in eine Öffnung an der Seite und riss den Umschlag auf. Etwas fiel heraus und rollte unter das Bett. Jacob ging auf alle Viere und legte sich flach auf den Boden. Zwei völlig eingestaubte Socken, ein grüner Filzschreiber, den er schon seit Wochen vermisste, eine Schokoriegelverpackung, eine Perle. Vorsichtig hob er die kleine Kugel auf und drehte sie in der Handfläche. Sie war makellos. Ihre Oberfläche schimmerte champagnerfarbenen. Man brauchte nicht viel Phantasie, um sie sich am Zepter eines Königs vorzustellen. Außer der Perle und einem karierten Notizzettel war der Umschlag leer. Merkwürdig. Warum sollte ihm jemand eine Perle schenken? Jacob zog das Blatt heraus und entfaltete es.

Ich wirke um Mitternacht. Folge den Eulen.

Das war alles. Kein Geburtstagsgruß, kein Absender, nur diese rätselhaften Worte. Wollte sich jemand einen Scherz erlauben? War sein Name versehentlich auf den Umschlag geraten? Vorsichtig legte Jacob die Perle auf seinen Schreibtisch. Es gab mindestens tausend coole Geschenke, die man einem frischgebackenen Vierzehnjährigen machen konnte, aber Perlen gehörten eindeutig nicht dazu. Vergiss es einfach, da will dich jemand verarschen. Jacob zog sein Matheheft hervor und versuchte, sich auf die Hausaufgabe zu konzentrieren. Ab und zu wanderte seine Hand zu der Perle und er drehte und wendete sie gedankenverloren. Dann beschloss er, dass es Wichtigeres gab, um das er sich zu kümmern hatte und legte sie entschlossen zur Seite. Algebra war nicht sein Ding und er brauchte länger als erwartet. Als er endlich fertig war, holte er die neue Schultasche aus der Küche. Er hatte sie auf dem Heimweg bei Lederwaren Rosner gekauft. So ohne Schulbücher war sie ungewohnt leicht. Wunderschön, schwarz mit einem kleinen silbernen Ornament, das einen Drachen darstellte. Genau diese wollte er schon ewig haben. Seine Fingerspitzen glitten über jedes coole Detail. Die Tasche war der Hammer, kein Vergleich zu seiner alten, bei der er den albernen Comicaufdruck schon vor Monaten mit einem schwarzen Permanentmarker übermalt hatte. Kaum zu fassen, dass sie dadurch noch schäbiger geworden war, eine Steigerung war kaum zu erwarten gewesen. Egal, jetzt war sie endlich Geschichte. Jacob nahm das zerknüllte Papier aus den Innenfächern und räumte sorgfältig die Schulbücher ein.

Special Agent Yaki Turner hätte sich keine Schultasche gekauft. Der hätte das Geld zur Kottkowa gebracht!

Der Gedanke an seinen Helden bereitete Jacob Bauchschmerzen. Wer's findet, dem gehört's, entgegnete er seiner inneren Stimme. Gewissensbisse waren etwas für Leute, die sie sich leisten konnten. Und überhaupt, nur weil die Geldbörse vor dem Spint seiner Lehrerin gelegen hatte, hieß das noch lange nicht, dass sie auch ihr gehörte.

Seufzend stand er auf, ging zum Altglascontainer und stellte den Straßenkatzen drei Schälchen Dr. Leckerlis Feinste Geflügelbrocken ins Gebüsch. Diva kam sofort angelaufen, strich ihm um die Beine und maunzte. Jacob ging in die Hocke und kraulte sie. Sie war mager, nur ein schwarzweiß getigertes Fell und eine Handvoll Knochen, aber ihre smaragdgrünen Augen waren der Hammer. Sie schnurrte zufrieden. Etwas später folgten Nick und Tiger. Jacob setzte sich auf den Rinnstein und sah ihnen eine Weile beim Fressen zu. Als Diva satt war, richtete sie sich auf, drehte ihm ihr Hinterteil zu und marschierte mit aufgerichtetem Schwanz davon. Ihren Kopf hielt sie hoch erhoben, als würde sie ein unsichtbares Krönchen balancieren. Jacob sah ihr hinterher bis sie verschwunden war. Dann ging er nach oben, räumte die Küche auf und wartete darauf, dass Specialagent Yaki Turner im Fernsehen lief.

Später, während er die Zähne putzte und seinen Pyjama anzog, ertappte er sich bei der Vorstellung, Yaki Turner wäre sein Vater. Ob er ihm wirklich befohlen hätte, die Geldbörse abzugeben? Ach, zur Hölle mit diesen unnützen Gedanken! Das Schicksal schuldete ihm so etwas wie ausgleichende Gerechtigkeit. Weil heute verdammt noch mal sein Geburtstag war und er in dieser Scheißgegend wohnte, wo man Geburtstage nur verdrängen oder wie Treppenstufen, die ins Freie führen, abzählen konnte. Von seiner Mutter abgesehen, hatte ihm kein Schwein gratuliert und Helden wie Yaki Turner gab es nur im Fernsehen. Es müsste ein Gesetz erfunden werden, das jeden, der an seinem Geburtstag kein Geschenk bekam, dazu verpflichtete, es sich selbst zu kaufen. Noch im Bett grübelte er über die Ungerechtigkeiten der Welt. Dann fiel ihm der Brief wieder ein. Wer ihn wohl geschrieben hatte? War die Perle etwa doch ein Geburtstagsgeschenk gewesen? Er griff zum Schreibtisch, angelte nach der kleinen Kugel und ließ sie über die Handfläche rollen. Ich wirke um Mitternacht, folge den Eulen. So ein Schwachsinn! Perlen entfalteten keine Wirkung. Und was sollte der Quatsch mit den Eulen? Na, im Grunde war es egal, wer ihm diesen beknackten Zettel geschrieben hatte. Er war verarscht worden. Punkt. Kurz vor Mitternacht schlief er ein, die Perle fest in der Hand.


2

Die Kälte weckte ihn. Jacob lag bäuchlings auf einem nächtlichen Waldweg. Feuchtes Laub durchnässte sein Shirt. Über ihm hing die fahle Scheibe des Vollmonds. Erschrocken rappelte er sich auf. Adrenalin schoss in seine Blutbahn und peitschte durch die Adern. Wo zur Hölle war er? Was war geschehen? Hatte man ihn entführt? Hatte er einen Blackout erlitten? Er starrte auf seine geballte Hand, die noch immer die Perle umschloss. Ich wirke um Mitternacht. Verdammte Scheiße – hatte sie ihr Versprechen gehalten? So ein Quatsch, es musste eine andere Erklärung geben. Unwillkürlich entfuhr ihm ein sarkastisches Lachen, obwohl er sich nicht sicher war, ob er nicht lieber weinen wollte. Vielleicht sollte ich mich freuen, so ein Abenteuer erlebt man schließlich nicht alle Tage. Sofort schaltete sich seine innere Stimme ein. Von wegen freuen! Du steckst in der Scheiße und weißt nicht mal, wie du reingeraten bist. So etwas kann nur dir passieren! Du bist ein komplette Loser! Jacob tat sein Bestes, um die innere Stimme zu ignorierten. Er stand auf, klopfte sich so gut es ging den feuchten Dreck von den Kleidern und sah sich um.

Wie Ungeheuer ragten die Bäume vor einem tiefblauen Himmel auf. Die Nacht um ihn her roch nach Laub und Walderde. Merkwürdige Geräusche drangen aus der Ferne an sein Ohr. Vor ein paar Jahren war er bei Dämmerung über den städtischen Friedhof gelaufen. Es war eine Mutprobe gewesen, die er sich selbst auferlegt hatte. Beim kleinsten Geräusch war er zusammengezuckt und hatte sich hundertmal umgesehen, obwohl der Ort leer und verlassen gewesen war. Auch jetzt lauerte nirgends eine konkrete Bedrohung, doch die schwarzgezackte Wand aus Bäumen, die ihn umgab, ließ ihm sämtliche Nackenhaare zu Berge stehen. Noch immer brannte und kribbelte das Adrenalin in seinen Adern. Atme gleichmäßig, Alter, zwing dich zur Ruhe, du brauchst einen klaren Kopf!

Vor der runden Scheibe des Monds tauchte der Schatten einer Eule auf, eine weitere folgte. Jetzt hörte er auch ihre unverkennbaren Schreie, die durch die Dunkelheit hallten wie Mahnrufe. Unentschlossen starrte Jacob zu ihnen empor. Folge den Eulen! Sollte er der Anweisung trotzen? Wer sagte ihm, dass der Briefeschreiber sein Freund war? Vielleicht wollte er ihn in eine Falle locken? Oder die Ereignisse hatten gar nichts mit der Perle zu tun und alles war nur ein dummer Zufall, etwas, das sich leicht aufklären ließ? Wie auch immer, die Eulen waren die einzigen lebendigen Wesen an diesem Ort und die Vorstellung, dass sie fortfliegen und ihn alleine zurücklassen könnten, verursachte ihm Magendrücken. Also gab er sich einen Ruck und folgte ihnen.

Mit wenigen Flügelschlägen hätten die Nachtvögel sich aufschwingen und ihn zurücklassen können. Stattdessen hielten sie immer wieder an, bogen nachsichtig ihre Köpfe in seine Richtung und beobachteten ihn aus starren Augen. Erst wenn er näher kam, flogen sie weiter. Langsam gewöhnten sich Jacobs Augen an die Dunkelheit. Seine Schritte bekamen einen Rhythmus und passten sich der ungewohnten Anstrengung an. Eines der Käuzchen flog jetzt ganz dicht an seiner Seite. Das gefiel ihm. Konzentriere dich, sei wachsam! Das hier ist kein verdammter Schulausflug, es gibt nicht den geringsten Grund zur Vorfreude. Und falls du es noch nicht gemerkt hast: Dieser Wald mehr als eigenartig!

An diesem Punkt hatte die innere Stimme nicht ganz Unrecht. Der Wald hatte etwas Bedrohliches. Es war nur ein Gefühl, etwas das er nicht in Worte fassen konnte. Aber er hätte wetten können, dass er die Pflanzen, die hier wuchsen, noch niemals gesehen hatte, nicht einmal in Büchern.

Plötzlich - nichts hatte zuvor darauf hingedeutet - ließ sich direkt vor ihm ein Wesen kopfüber aus den Ästen fallen.


ƒ3

Vor Schreck setzte Jacob einen halben Meter zurück und stieß einen panischen Kleinmädchenschrei aus. Dann erkannte er, dass er nur das Gesicht eines Jungen vor sich hatte. Der Fremde hatte sich mit den Kniegelenken in einen Ast gehakt. Kopf und Arme baumelten nach unten. Er grinste so breit, dass seine Zähne weiß wie Klaviertasten in der Dunkelheit leuchteten. Mit einem schnellen Salto nach vorne kam er mühelos auf die Füße und stand Jacob gegenüber. Er trug ein Narrenkostüm. Selbst im schalen Licht des Vollmonds erkannte man, dass es aus einem weichen, verwaschenen Stoff war, aus Leinen vielleicht. Die rechte Hälfte seiner Hose war dunkelrot, die linke schwarz. Beim Oberteil war es anders herum. Ein Dolch und die dazugehörige Narrenkappe steckten am Gürtel. Der Junge war barfuß, hatte dunkle Augen und ungebändigte Haare. Er war etwas größer als Jacob, viel älter konnte er aber nicht sein. Schweigend musterten sie sich.

»Hast du eine Perle?«, fragte der Narr.

Jacob nickte stumm. Einfach oberpeinlich, wie panisch er reagiert hatte. Bestimmt hielt der Typ ihn für ein komplettes Weichei. Auch der Narr besaß eine Perle, er trug sie zusammen mit einem kleinen Silberstern um seinen Hals. Verschwörerisch grinste er Jacob an.

»Wer bist du?« Endlich hatte Jacob seine Stimme wiedergefunden. »Wo sind wir? Und wie sind wir hier hergekommen?«

»Magie«, flüsterte der Fremde und deutete mit einer ausholenden Bewegung auf die Bäume ringsum. »Das alles hier ist aus reinster und allerfeinster Magie gesponnen!« Seine Augen blitzten so begeistert, als hätte Jacob das große Los gezogen. »Den Rest erklär ich dir später. Komm mit!«

Alles klar. Erste Möglichkeit: Ich bin verrückt geworden. Zweite Möglichkeit: Man hat mich entführt und zusammen mit einem durchgeknallten Spinner im Wald abgeladen. Dritte Möglichkeit: Ich träume gerade den lebendigsten Traum meines Lebens. Vierte und letzte Möglichkeit: Der Typ hat recht und so etwas wie Magie gibt es wirklich.

»Halt warte, woher soll ich wissen, ob ich dir trauen kann?« Der Narr antwortete nicht, sondern lief einfach voraus. Jacob seufzte und folgte ihm.

Mit zielsicheren Schritten durchquerte der Junge das Gelände. Hin und wieder hielt er an, um in die Dunkelheit zu lauschen. Jacob hätte sich nicht vorstellen können, dass der Wald noch eigentümlicher werden könnte, doch er hatte sich geirrt. Sie passierten Gewächse, die zu atmen schienen. Manche schlugen um sich oder waren stachelbewehrt. Blätter, die sich zu Posaunen rollten, stießen ein Geräusch aus, das einem durch Mark und Bein ging. Ein paar Mal glaubte Jacob einen schwarzen Schatten vorbeihuschen zu sehen, doch als er das Unterholz näher beäugte, konnte er nichts erkennen. Sie kamen an knorrigen weißborkigen Bäumen vorbei, deren Zweige lang und dünn herabhingen, wie spinnwebfeines Lametta. »Gespensterhaarbäume«, erklärte der Junge. »Als ich sie zum ersten Mal gesehen habe, habe ich richtig Gänsehaut bekommen. Man sagt, sie gewähren nur dem Wind die Ehre, durch ihre silbrigweißen Fäden zu streichen. Nicht einmal die Vögel wagen sich nahe heran.«

Er stoppte, um dem seltsamsten Tierrudel Platz zu machen, das Jacob jemals gesehen hatte. Fußballgroße pastellfarbene Wesen, die aus nichts weiter als einem flauschigen Fell und einem breiten Mund zu bestehen schienen. Rechts und links ragten Eckzähnchen daraus hervor.

»Das sind Duduffs. Knuddelige Kerlchen, was? Keine Sorge, die tun keinem was. Pass lieber auf, dass die Motten dich nicht erwischen!« Der Narr deutete auf irgendwelche Flattertiere, die hoch über ihren Köpfen in der Luft standen. Ihre Körper waren prall gestopft wie Bratwürste und sie besaßen nadelspitze Zähne und hässlich zerrupfte Flügel. Kaum hatte Jacob sich von ihrem Anblick erholt, krabbelten Käfer von der Größe kleiner Schuhschachteln über den Weg. Ihre Kieferwerkzeuge klackerten aufeinander wie gut geölte Beißzangen. Ihm lagen tausend Fragen auf der Zunge, doch immer wenn er den Mund aufmachte, legte der Narr einen Finger auf die Lippen. »Später!«, flüsterte er, »Sei still!«

Sie bogen ab und folgten einem schmalen Pfad, der sie zu einem Tümpel führte. Tagsüber war er sicher nur ein schmutziges Loch, in dem sich das Regenwasser sammelte, doch jetzt erleuchtete ein sich spiegelnder Vollmond die Wasseroberfläche und er wirkte verwunschen und magisch.

»Hier können wir reden«, sagte der Narr. »Wenn Wasser in der Nähe ist, greifen sie nicht an.«

»Wer greift nicht an?«

»Die Schattenalpe. Es gibt sie überall, im ganzen Wald. Man ist nirgends vor ihnen sicher. Nicht einmal am helllichten Tag.«

Schattenalpe. Was immer das war, es klang beunruhigend. Aber Jacob wollte sich nichts anmerken lassen - nicht, nachdem er sich mit seinem Kleinmädchenschrei so erbärmlich blamiert hatte.

»Wie heißt du?«, fragte er stattdessen.

»Du kannst mich Piko nennen.« Der Junge ließ sich im Schneidersitz am Ufer nieder. »Schau in den Tümpel! Na los!«

Gehorsam beugte sich Jacob vor und starrte in die Tiefe. Er kapierte nicht, was es hier so Besonderes zu sehen geben sollte. Was wollte Piko von ihm? Hier gab es nichts als Schwärze. Doch dann begegnete ihm sein Spiegelbild auf der Wasseroberfläche und nein, das war keine Einbildung! Es verwandelte sich wirklich! Heilige Scheiße! Zuerst war die Veränderung nicht gravierend, doch sie reichte aus, um ihn älter und entschlossener aussehen zu lassen, markanter, ja, beinahe hübsch! Seine Haare wuchsen zu einer perfekten Frisur heran. Sein Körper wurde drahtiger. Wow, man könnte mich glatt für eine jüngere Ausgabe von Specialagent Yaki Turner halten! Verblüfft betastete Jacob seine Wangenknochen, die jetzt einen winzigen Tick ausgeprägter waren. Es war also nicht nur das Spiegelbild, das sich verändert hatte, auch er selbst. Mann, ich sehe gut aus. Richtig gut! Vielleicht nicht modelmäßig, aber man konnte zufrieden sein.

»Überrascht? Ging mir auch so! Hier sieht jeder aus, wie er wirklich ist. Tief in seinem Innern, meine ich. Deshalb benutzt hier keiner den Namen, den man ihm gegeben hat. Jeder sucht sich einen aus, das ist besser. Sag mir einfach, wie ich dich nennen soll.«

Noch immer sprachlos fuhr sich Jacob durch die Haare. Eigentlich waren sie dunkelblond - seine Mutter nannte sie straßenköterblond – doch jetzt leuchteten sie hell wie Weizenähren. Also gut, Version Entführung schied aus, Version Magie rückte nach vorne.

»Äh … Yaki wäre cool, denke ich.«

Piko grinste: »Tja, dann mal willkommen, Yaki. Wenn du uns beitreten willst, bringe ich dich zur Insel und stell dich den anderen vor. Aber sag besser gleich, wenn dir der Mumm fehlt. Noch hast du die Chance umzukehren.«

»Was? Wie? Halt, einen Moment mal! Verrate mir erst, wo wir hier eigentlich sind!«

»Im Ewigen Wald. Die Eulen, das sind wir. Wenn auch die Leute in den umliegenden Dörfern nicht ganz so freundliche Namen für uns haben. Piratenpack ist noch einer der angenehmsten.«

»Piratenpack? Wieso sagen sie das? Klaut ihr?«

»Hmm. Manchmal.«

»Und wieso nennt ihr euch Eulen? Könnt ihr euch in Tiere verwandeln?«

Piko lachte: »Natürlich nicht, du Witzbold! Wir haben uns nach ihnen benannt, weil sie uns zur Insel gebracht haben.«

Okay, er hätte nicht mit diesem unsinnigen Gedanken herausplatzen sollen, jetzt kam er sich ein bisschen blöd vor. Aber inzwischen hätte er fast alles für möglich gehalten.

»Und jeder von euch hat eine Perle bekommen?«

»Jeder, der auf der Insel lebt. Eigentlich hätten wir uns auch die Perlen nennen können, aber das klingt irgendwie schwul, findest du nicht?«

Sie lachten.

Hoch in der Luft sammelten sich die echten Eulen und umkreisten den Tümpel. Jacob schaute wie hypnotisiert zu ihnen empor und verfolgte ihre Umrisse, die sich schwach vom Dunkel des Himmels abhoben. Kam es ihm nur so vor, oder verhielt sich eine dieser Eulen ganz und gar nicht eulenhaft? Ihren Flügelschlägen fehlte das sanfte, fast geisterhafte Gleiten der Nachtvögel. Sie flappten rhythmisch auf und ab, als müssten sie die Bewegungen eines langen schlaksigen Körpers ausgleichen. Jetzt kam das Wesen näher, streckte die Beine vor und setzte zur Landung an. Jacob rieb sich die Augen. Er musste träumen. Keine zwei Meter von ihm entfernt landete ein lebendiger Drache von der Größe einer Marionette! Sein Schuppenpanzer reflektierte das Mondlicht. Es sah aus, als spiegelten sich tausend Sternschnuppen darin. Kopf und Körper erinnerten an ein Seepferdchen. Der Drache kam vor ihm zum Stehen, legte den Kopf schief und sah ihn aus mondgelben Augen an. Jacob hätte ihn gerne berührt, doch er traute sich nicht einmal zu atmen, so sehr fürchtete er, das wundervolle Geschöpf zu erschrecken.

»Wow!«, sagte Piko. »Nicht zu fassen! Du bist schon der zweite, dessen Totemtier ein Drache ist. Dabei sagt man diesen Wesen nach, selten zu sein!«

Der Narr hatte sich zurückgelehnt, die langen Beine ausgestreckt und übereinandergeschlagen, die Hände hinter dem Kopf verschränkt. Neugierig beäugte er den kleinen Drachen.

»Mein Totemtier? Was meinst du damit?«

Inzwischen war der Drache ein Stückchen herangerückt. Vorsichtig streckte Jacob seine Hand nach ihm aus. Der Kleine schnupperte interessiert. Er gurrte freundlich, wie zur Begrüßung. Sogar streicheln ließ er sich. Die Drachenhaut war zart und warm, die weichen Schuppen schillerten bei jeder Bewegung wie kostbare Edelsteine. Jacob konnte den Blick kaum abwenden.

»Dein Totem ist dein persönlicher Schutzgeist. Ein Tier, das dir wesensverwandt ist. Welches es ist, soll einiges über dich aussagen. Übrigens erscheint das Totem genau in dem Moment, in dem man sich entscheidet, sich auf den Ewigen Wald mit all seinen Abenteuern einzulassen. Das hast du wohl getan, meinen Glückwunsch!«

Wow, wir sind uns ähnlich! Das war cool. Jacob fühlte sich auf einzigartige Weise geadelt, weil der Drache gerade ihm erschienen war.

»Und was soll so ein Drachen-Totem über mich aussagen?«

»Naja. Die Meinungen gehen auseinander. Die einen sagen, du hast das Herz eines Kriegers, tapfer, treu, edel, ein Überlebenskünstler …«

»Und die anderen?«

»Die werden behaupten, dass du genauso ein Baby bist, wie dein Drache!«

Piko lachte. »Aber eigentlich sagen sie das nicht über dich, sondern über Mo. Sie besitzt auch ein Drachenjunges und wenn du sie mal in einer ihrer Trotzphasen erlebt hast, kommt sie dir wirklich wie ein Kleinkind vor!«

Mittlerweile war der Drache zutraulich geworden. Zärtlich rieb er seinen Kopf an Jacobs Arm.

»Hast du auch ein Totemtier?«

Ein Strahlen erfüllte Pikos Gesicht.

»Willst du sie sehen?«

»Na klar!«

Der Narr wandte sich um, schnalzte dreimal mit der Zunge und flüsterte: »Victoria!«

Es dauerte nicht lange, da tauchten zwei gelbe Augen in der Dunkelheit auf und mit geschmeidigen Bewegungen schritt ein Panther zu Piko herüber. Sofort schlang der Narr seine Arme um den riesigen Kopf.

»Ist sie nicht wunderschön?«

»Das ist sie!«, bestätigte Jacob.

»Sie ist das herrlichste Tier, das man sich denken kann!« Piko strahlte überglücklich und schaute seinen Panther zärtlich an, während er seine Finger durch das schwarzblau glänzende Fell gleiten ließ.

»Und was sagt so ein Panther-Totemtier über dich aus?«

»Na, was denkst du, was es über mich aussagt?«

Jacob überlegte: »Hm, naja, ich schätze mal, du hast einen starken Charakter …«

Piko bestätigte seinen Verdacht mit einem euphorischen Nicken.

»… und du bist unabhängig …«

Wieder nickte Piko, als platze er gleich vor Stolz.

»Du gehst deine eigenen Wege … lässt dir nicht gerne etwas vorschreiben …«

Erneut ein freudestrahlendes Nicken.

»… und du bist ganz allein.«

Das Lächeln fiel von Pikos Gesicht. »Wir sollten aufbrechen«, sagte er, »wir haben noch einen weiten Weg vor uns!«

Sie standen auf. Der kleine Drache flatterte auf Jacobs Schulter, als wäre das von jeher sein angestammter Platz.

»Ab jetzt musst du wirklich ganz leise sein!«, sagte Piko. »Das ist kein Scherz. Glaub mir, du willst die Schatten lieber nicht auf dich aufmerksam machen.«

Jacob nickte und Piko ging voran durch den nächtlichen Wald. Alles war still, nur die kleinen Glöckchen an seiner Narrenkappe sangen bei jedem Schritt eine leise Melodie.


ƒ4

Jacob blieb stehen. Der Wald hatte sich gelichtet, die Bäume längs des Wegs neigten sich zu einem Bogen aus jungem Grün und gaben den Blick auf eine kleine Bucht frei. Wow, er wusste nicht, wohin er zuerst schauen sollte. Noch nie in seinem Leben hatte er so viel Schönheit auf einem einzigen Flecken gesehen. Die ersten Sonnenstrahlen tauchten den Himmel in ein pastellfarbenes Licht, das sich in den sanften Wellen brach. Der angenehmen Brise nach zu urteilen, würde es ein warmer Tag werden. Aus der Mitte der Bucht erhob sich eine Insel. Schwarze Felsen, dazwischen Bäume, Sträucher, Hütten mit ausladenden Terrassen und Balustraden, waghalsig konstruierte Baumhäuser, Efeuranken, Hängeleitern, sogar eine Schaukel. Drei majestätische Bäume, die alles andere überragten, wirkten wie Säulen aus schwarzem Marmor. Das Festland umschloss das glitzernde Wasser der Bucht mit einem halbmondförmigen Schutzwall aus Bäumen.

Piko sah ihn an. »Der Anblick kann einem umhauen, was? Ging mir genauso.«

»Mann, ist das abgefahren!«

Sie stiegen hinab zum Strand. Piko bog ein paar Zweige zur Seite und zog ein Kanu hervor, das im Gebüsch versteckt gewesen war. Jacob packte mit an und sie trugen es zur Brandung. »Bist du schon mal Kanu gefahren? Keine Sorge, es ist nicht schwer.«

Das Wasser war angenehm kühl und so klar, dass man den Sand und winzige silbrige Krebse auf dem Grund sehen konnte. Piko zeigte ihm, wie er das Ruder setzen musste und bald hatte er den Bogen raus. Der Panther schwamm neben ihnen her, als wäre es das Normalste der Welt.


Auf der Insel war es still. Sicher schliefen noch alle. Sie zogen das Kanu an Land und kletterten über die Felsen nach oben, wo eine Seemannstruhe im Gebüsch stand. Der Deckel war schwer, sie mussten ihn gemeinsam stemmen, um die Truhe zu öffnen. Piko ließ sich mit halbem Oberkörper hineinfallen und wühlte.

»Hast du gewusst, dass ich komme?«, fragte Jacob. »Oder spazierst du immer nachts durch den Wald?«

Piko zog eine an den Knien gekürzte Jeans, einen Gürtel und eine Art Seeräuberhemd hervor.

»Hier«, sagte er. »Zieh das an! Und such dir eine Waffe aus. Gibt es etwas, womit du umgehen kannst? Degen? Schwert? Säbel?«

Jacob wollte nicht zugeben, dass er keine Ahnung von Waffen hatte, deshalb sagte er: »Gib mir einfach irgendwas« und Piko reichte ihm ein Messer und einen Dolch.

»Die meisten Eulen kommen in der Nacht vor Vollmond zu uns. Keine Ahnung, wieso. Deshalb hält in dieser Nacht immer irgendwer nach Frischlingen Ausschau.«

Sie liefen weiter, kletterten über Felsen, kamen an einer Quelle vorbei, überquerten zwei kleine Brücken und gelangten so auf eine Plattform, auf der einige Luftmatratzen lagen. Piko steuerte auf die dahinterliegende Hütte zu und hämmerte an die Tür.

»Nele! Mo!«

Drinnen rührte sich etwas, die Tür wurde aufgerissen und zwei Mädchen traten ins Freie. Die beiden hätten nicht unterschiedlicher sein können: Das erste war sonnengebräunt, ihr Shirt ärmellos und mit einem Totenkopfaufdruck versehen. Die schwarzen Haare standen ihr wild vom Kopf. Sie bedachte Piko mit einem Blick, der verriet, dass sie den Narren mehr mochte als ihr gut tat. Auf ihrer Schulter saß ein kleiner Drache, also musste sie Mo sein. Im Gegensatz zu Jacobs Drachen, dessen Schuppenkleid aus tausend winzigen Silberspiegeln bestand, war ihr Exemplar ein Feuerwerk aus rotgoldenen Münzen.

Das zweite Mädchen sah aus wie einer Astrid-Lindgren-Geschichte entsprungen. Ihre feinen blonden Haare waren zu Zöpfen geflochten, sie war barfuß und trug ein weites hellblaues Hängekleid mit aufgesetzten Taschen. Ihr Totemtier, ein flauschiges Rotkehlchen, stand flatternd hinter ihr in der Luft und teckerte.

»Piko, da bist du ja endlich! Wir dachten schon, du kommst nicht mehr!«, rief Mo.

»Gab es Kämpfe?«, fragte Nele besorgt.

Piko schüttelte den Kopf: »Heute nicht. Weit und breit hat sich kein einziger Schattenalp blicken lassen.«

Nele seufzte erleichtert.

»Das ist Yaki«, stellte Piko ihn vor. »Ich dachte, er kann in Dantes altem Zimmer wohnen.«

»Klar«, sagte Mo. »Dante kommt nicht wieder. Irgendwann müssen wir das Zimmer neu vergeben.«

Sie nickte Piko zu und gemeinsam schritten sie ins Innere.

Moskitonetze umhüllten zwei schmale Betten. In ausgedienten und zu Schränken umfunktionierten Kanus lagerten Bücher und Alltagsgegenstände. An der Wand lehnte ein Degen. Die Fenster machten den größten Teil der Wand aus und gaben einen herrlichen Blick auf Wald und Ozean frei. Durch ein Loch in der Zimmerdecke wuchs ein Baum, an dessen Stamm Leitersprossen befestigt waren. Die Mädchen ließen Jacob den Vortritt und er kletterte hoch. Das obere Zimmer ähnelte dem der Mädchen, nur dass es zusätzlich einen kleinen Balkon besaß. Dort hatte jemand ein Sprungbrett montiert, so dass er, sollte er jemals den Mut finden, direkt nach dem Aufwachen ins Meer springen konnte. Der Vorbesitzer des Raums, der Junge, den sie Dante nannten, hatte ein paar persönliche Gegenstände zurückgelassen. Ein Halstuch, einen Kompass, eine Taschenlampe, ein aufgeschlagenes Mangaheft und mehrere Münzen. Was wohl mit ihm geschehen war?

»Das Zimmer gehört jetzt dir!«, sagte Piko. »Willkommen auf der Euleninsel!«

»Danke.«

»Könnt ihr Mädchen euch ein bisschen um Yaki kümmern? Ich muss weiter. Ihr wisst schon, das Vollmondfest. Bald werden die Jäger eintreffen und bis dahin muss ich noch einiges vorbereiten.«

Mo verzog enttäuscht den Mund, doch als Piko ihr zuzwinkerte, war sie bereits versöhnt.

»Sicher willst du frühstücken, Yaki?«, fragte Nele. »Wir haben Beeren gesammelt und Kuchen gebacken.«

Sie kletterten alle nach unten auf die Terrasse, Piko verabschiedete sich und Nele ging um die Ecke, um den Kuchen zu holen.

»Du bist also der Neue«, sagte Mo und musterte ihn von oben bis unten. Zu welchem Ergebnis sie kam, behielt sie für sich. »Kannst du mit Waffen umgehen?«

»Muss ich das?«

»Wenn du überleben willst, wäre es besser.«

Die Drachen beschnüffelten sich, flogen auf und probierten Überschläge in der Luft. Mo konnte den Blick kaum abwenden. Auch wenn sie niemals zu lächeln schien, hatte sie etwas an sich, das er mochte. Ob auch sie in den Tümpel gesehen und ihr Aussehen verändert hatte?

»Wie heißt er?«

»Flamm«

»Das passt!«

Jacob beschloss, sein Drachenmädchen Schnuppe zu taufen, da sie im Mondlicht wie abertausend Sternschnuppen gefunkelt hatte.

Nele kam zurück, drückte Mo und ihm je einen Teller in die Hand und zwinkerte ihm aufmunternd zu. »Du könntest Yaki Fechten beibringen, Mo. Es gibt niemanden, der so gut mit dem Degen umgehen kann wie du!«

Mo gab ein Geräusch von sich, das sowohl Zustimmung, als auch Ablehnung sein konnte.

Nach einer Weile sah Nele zu den drei hohen Bäumen auf, die Jacob bereits vom Ufer aus gesehen hatte und fragte zusammenhanglos: »Meinst du, ich soll Marker etwas Kuchen bringen? Der Arme schiebt schon die ganze Nacht Wache!«

Wieder gab Mo keine Antwort.

»Was hat es mit diesem Vollmondfest auf sich?«, fragte Jacob in die Stille hinein.

Mo setzte sich an den Rand der Terrasse, ließ die Füße baumeln und blickte schweigend Piko nach, der zusammen mit Victoria schon wieder unten beim Kanu war. Nele gab bereitwillig Auskunft: »Einmal im Monat feiern wir. Dann kommen alle Eulen zurück zur Insel und lassen es sich so richtig gutgehen.«

»Was feiert ihr denn?«

»Vielleicht, dass wir noch am Leben sind«, antwortete Mo ohne sich umzudrehen. Inzwischen war ihr Drache zu ihr zurückgeflogen und sie kraulte ihm gedankenverloren den Bauch.

»Ach, so schlimm ist es nicht!«, meinte Nele. »Gut, vor den Schatten musst du dich hüten, aber die meisten kommen hier ganz gut zurecht.«

»Dante kam wohl nicht gut zurecht?«

Mo drehte sich um. »Der Ewige Wald ist nicht der rechte Ort für Feiglinge, das muss dir klar sein! Die Schatten sind Gestaltwandler. Sobald sie in deine Nähe kommen, nehmen sie eine Form an, die dich so richtig fertig macht! Sie kennen deine Schwächen, deine Feinde, deine Ängste. Weiß der Teufel woher.«

»Also war Dante ein Feigling?«

Mo widmete sich wieder ihrem Drachen: »Nein, eigentlich nicht«, gab sie zu. »Dante war in Ordnung.«

»Wenn ihr auf der Insel in Sicherheit seid, warum geht ihr dann überhaupt in den Wald?«

Mo legte den Kopf schräg und bedachte ihn mit einem Blick, der verriet, dass sie jemand, der solche Fragen stellte, für reichlich unterbelichtet hielt. »Ab und zu brauchst selbst du was zu beißen! Und um das zu bekommen, hast du genau drei Möglichkeiten: Erstens, du wirst Jäger - dazu musst du aber Blut sehen können – denn so ein Ferkelchen auseinanderzunehmen ist im wahrsten Sinne des Wortes eine ziemliche Schweinerei. Zweitens, du gehörst zu den ganz Mutigen, fängst einen Alp und verkaufst ihn für eine Handvoll Münzen an einen Schattensammler. Oder drittens, du wanderst mit Piko in die Stadt, und während er mit seinen Gaukeleien die Leute ablenkt, ziehst du ihnen hinterrücks das Geld aus der Tasche. Unsere kleine Nele ist ein Genie auf diesem Gebiet.« Nele grinste stolz.

»Und du?«, fragte Jacob.

Mo zuckte mit den Schultern. »Ich mache alles, was notwendig ist.«

Jacob schwieg halb bewundernd, halb eingeschüchtert. Er war sich nicht sicher, ob er überhaupt zu einer dieser Arbeiten taugte. Nele schien seine Gedanken zu erraten. Sie berührte ihn sanft am Arm: »Mach dir keine Sorgen, Yaki, das Leben ist wirklich schön hier, auch wenn die Umstände manchmal etwas daneben sind. Wir haben jede Menge Spaß, du wirst schon sehen! Soll ich dir die Insel zeigen? Ich kenne eine Menge Abkürzungen und geheime Pfade. Ich weiß, wo man sich leicht zu den Höhlen abseilen kann und wo die besten Früchte wachsen. Oh, und natürlich musst du unbedingt die Bucht sehen, in der wir immer Piratenangriff spielen! Kommst du mit?«

Sie liefen über die Insel, bis sie zu einer weiteren kuriosen Hütte kamen. Der Unterschlupf war in einen hohlen Baum gebaut. Bunte Fliegenbänder flatterten überall im Wind. Sie waren an der Tür befestigt, an Ästen und an einem unförmigen weißen Zaun, der ein kleines Grundstück absteckte. Beim Baum stand eine Badewanne, die so ziemlich der unnützeste Gegenstand war, den man auf dieser Insel besitzen konnte. In ihr lagen ein Bündel Klamotten, ein Sombrero und einige dicke Kissen. Zwei kitschige Gartenzwerge flankierten die Eingangstür. Unter einem Tisch döste eine Schildkröte, der jemand ein Smiley und eine bunte Girlande auf den Panzer gemalt hatte. Überall lagen merkwürdige Gegenstände herum, ein Grammophontrichter beispielsweise oder ein Puppenwagen, der als Kerzenhalter missbraucht wurde. In den Ästen hingen tönerne Glocken und auf der Tischplatte lag ein Schnitzmesser, daneben ein bearbeitetes Stück Holz.

»Hier wohnt Aspen«, erzählte Nele. »Er sammelt alles Mögliche und Unmögliche, wie du siehst. Er ist Erfinder und Bastler. Außerdem schnitzt er für den Baum der verschwundenen Kinder«. Sie deutete auf den Holzklotz, der auf dem Tisch lag: »Das hier soll sicher Dante darstellen. – He, Aspen, bist du da?«

Jetzt bewegte sich das Kleiderbündel in der Badewanne. Der Sombrero fiel herab und ein Junge erhob sich. Aspen besaß rote Dreadlocks, helle Haut und Sommersprossen. Er war dünn und lang. Als er gähnte, enthüllte er ein Gebiss, das für sein schmales Gesicht einen winzigen Tick zu groß geraten war.

»Morgen, Kleine! Oh, haben wir einen Neuzugang?«

»Ich bin Yaki!«, sagte Jacob. Es war das erste Mal, dass er sich selbst so nannte, und ja, es fühlte sich gut an.

»Verstärkung ist immer willkommen! Bist du mit Mo verwandt, oder ist das mit dem Drachen Zufall? Na, egal! Wie sieht’s aus, kommt ihr beide mit runter zur Bucht?«

»Später«, entschied Nele. »Zuerst will ich Yaki die Insel zeigen. Hast du schon die Lampions für das Mondfest aufgehängt?«

Schuldbewusst verzog Aspen das Gesicht: »Das … äh … wollte ich gerade machen!«

»Dachte ich mir!« Nele grinste, winkte zum Abschied und zog Jacob mit sich. Die nächste Hütte war rund und fensterlos. Sie besaß eine Galerie, ein Kegeldach und eine Veranda. Auf den breiten Eingangsstufen hockte ein Junge, der wie ein kleiner Riese wirkte. Alles an ihm war eine Spur zu groß geraten. Vielleicht war er als Säugling in einen Topf mit Hefe gefallen und seither beständig aufgegangen.

»Hallo Toto!«, begrüßte ihn Nele. »Hast du gut geschlafen?«

Der kleine Riese nickte und lächelte dümmlich. Er starrte Jacob wortlos an, schien aber nicht darauf zu warten, dass Nele ihn vorstellte. Im Gegenteil wirkte er wie jemand, für den Namen nicht die geringste Bedeutung hatten. Trotzdem machte Nele sie bekannt und Toto hob seine massige Hand und sagte: »Dann bis später.« »Sein Totemtier ist der größte Ochsenfrosch, den du jemals gesehen hast«, erzählte Nele, als sie sich ein gutes Stück entfernt hatten. »Er hat ihn Walpurga getauft. Aspen hat den Namen vorgeschlagen, weil ihm nichts eingefallen ist. Toto ist ein bisschen zurückgeblieben oder so, aber er hat das Herz am rechten Fleck.«

Nach einer Weile passierten sie einen schmalen Weg. Nele blieb vor einem mit Rosen umwucherten Durchgang stehen. Sie zögerte. »Das hier solltest du wohl besser auch sehen.«

Sie zog ihn durch den Rosenbogen, hinter dem eine ganze Allee jener gruseligen Gewächse begann, die Piko Gespensterhaarbäume genannt hatte. Sie öffneten sich zu einem Ring, in dem Hölzer ganz anderer Art wuchsen: blätterlos, die Äste über und über bemalt und mit Schnitzereien versehen.

»Das sind die Bäume der verschwundenen Kinder«, erzählte Nele. »Wenn du genau hinsiehst, dann merkst du, dass es keine richtigen Bäume sind. Es sind Kunstwerke, die aus aberhundert Holzklötzen zusammengesetzt sind. Auf jedem einzelnen ist ein Kind abgebildet, das sich die Schattenalpe geholt haben.«

Sie bedachte ihn mit einem besorgten Seitenblick, als fürchtete sie, dass er sich umdrehen und davonlaufen könnte. Jacob trat näher.


[upd. 2016-02-01 11:34:54::31(STr)]
[upd. 2016-02-01 11:36:54::31(STr)]

Menü

Overlay beenden ohne zu speichern

Daten speichern



Kategorie bestimmen


Bestätigungsemail an


Tests von anderer Seite:
URL (z.b. http://www.test.com) in das Feld eintragen.
Standard: Feld bleibt leer.



Bilddaten hochladen

[Redaktions-Overlay] TEST



Einfach in das Textfeld klicken, um mit dem Editieren zu beginnen.
Zum Stoppen außerhalb des Textfeldes klicken.


Menü

Overlay beenden ohne zu speichern

Daten speichern



Kategorie bestimmen


Bestätigungsemail an


Tests von anderer Seite:
URL (z.b. http://www.test.com) in das Feld eintragen.
Standard: Feld bleibt leer.



Bilddaten hochladen
Copyright Spiel&Presse e.V. 2015 bis heute. See Kontakt/Impressum for more Informations. All rights reserved.
Diese Webseite verwendet Cookies, um Benutzern den Zugang als User zu ermöglichen.
Weitere Infos zu unserer Sicherheitspolitik finden im Datenschutzbereich.